Space History

Unternehmen „Paperclip“

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Wernher von Braun: Direktor Marshall Space Flight Center (1960-1970), Alabama

„Paperclip“ war ein geheimes Codewort der Amerikaner, um nach der Kapitulation Deutschlands, deutsche Raketenforscher in die USA zu bringen. Der militärische Leiter der Heeresversuchsanstalt in Peenemünde, Generaloberst Walter Dornberger und sein ziviler technischer Leiter, Wernher von Braun, hatten sich zuvor direkt nach Kriegsende den Amerikanern ergeben. Insgesamt sollen neben der „Wernher-von-Braun-Gruppe“ mit knapp 120 Ingenieuren und Technikern noch ca. 700 Luftfahrtexperten und Wissenschaftler über den großen Teich gebracht worden sein.

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Kurt Debus: Direktor Kennedy-Space-Center (1962-1974), Florida

Mit den Technikern wurde auch die komplette nach dem Krieg übrig gebliebene Raketentechnik verschifft, sofern sie in die Hände der amerikanischen Einheiten gefallen war. Das waren in erster Linie A4-Raketen (V2) und teilweise fertiggestellte Raketenmotoren aus Peenemünde sowie aus der KZ-Fertigungsanlage Dora-Mittelbau.

Von Texas über New Mexico nach Florida

In Fort Bliss (Texas) und White Sands (New Mexico) sollten die deutschen Raketenspezialisten an der Weiterentwicklung der amerikanischen Raketentechnik forschen. Ab Ende 1951 wurden die Starts nach Cape Canaveral (Florida) verlegt. Daraus erwuchsen lange danach die bemannten Raumfahrtprogramme, die zur Mondlandung führten.

Der Deckname „Operation Paperclip“ steht in Zusammenhang mit angesteckten Büroklammern an den „Ausreiseunterlagen“ der wichtigsten deutschen Raketenforscher, die in die USA überführt werden sollten. Da fast alle nach Ansicht der Amerikaner sog. „ardent“ (überzeugte) Nazis waren, musste dieser Sachverhalt aus den Einreiseunterlagen verschwinden. Kern der Wissenschaftlergruppe war eine unter der Führung von Wernher von Braun stehende Gruppe der ehemaligen Heeresversuchsanstalt Peenemünde, die während des Winters 1945/46 in Bad Kissingen im Hotel „Wittelsbacher Hof“ untergebracht waren und zu Jahresbeginn 1946 in die USA gebracht wurden.

Der Wettlauf zum Mond

In Amerika hatte man anfänglich für die deutschen Raketenspezialisten keine richtige Verwendung. Mit dem Beginn des Space-Race, des Wettlaufs zum Mond gegen die Russen änderte sich das. Als diese am 4. Oktober 1957 ihren ersten Satelliten ins All schossen und 1961 den ersten Menschen, waren die Amerikaner geschockt. Aufgeschreckt durch die sowjetischen Erfolge gründeten die Amerikaner die NASA. Am 5. Mai 1961 hielt der amerikanische Präsident vor dem Kongress eine Rede, die in die Geschichte einging: Noch in diesem Jahrzehnt sollte Amerika einen Menschen auf den Mond schicken. Es waren die Männer um Wernher von Braun, die diesen Menschheitstraum später federführend in die Tat umsetzten.

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Die „Paperclip“-Mannschaft in Fort Bliss mit Kurt Debus (3.v.l.) und Wernher von Braun (7.v.r. vordere Reihe) (NASA)